Tauben, die Prädatoren der Tierwelt

(Nein, sie sind Fluchttiere – Haben aber oftmals so viel Selbstbewusstsein wie ein T-Rex)

Eine Taube steht draußen auf dem Boden zwischen gelben, herabgefallenen Blüten.
Eine Stadttaube steht zwischen gelben Blüten auf dem Boden.

Tauben kennt man natürlich in erster Linie als die Fluchttiere, die sie sind. Besonders bei sehr zahmen Tieren, also jenen, die den Menschen oder andere Tierarten sehr gewohnt sind, fällt der Fluchtinstinkt allerdings weitestgehend weg und aus kleinen Vögelchen werden bösartige, jagende Dinosaurier – Zumindest in ihren Köpfen.

Tauben sind von Natur aus untereinander ziemlich aggressiv. Ich weiß nicht, woher das Märchen von der Friedenstaube kommt. Eine Stadttaube ist sicherlich täglich in Kämpfe verwickelt und unter Tauben im Taubenschlag gibt es regelmäßig Streit um die Rangfolge der männlichen Tauben, der Täuber. In den meisten Fällen gehen die Rangeleien ohne Verletzungen zu Ende, aber streitlustig sind sie allemal.

Eine Taube, die zum Beispiel auf einem Hof mit Katzen wohnt, fliegt nicht mehr selbstverständlich weg, wenn diese sich nähern. So findet sie Vertrauen zu allen Tierarten, auch zum Menschen.

Und oft entwickeln sich regelrechte „Rambos“ – Tauben, die glauben, sie seien die Könige dieser Welt in ihrer netten Umgebung, in der sich niemand mit ihnen anlegen will.

Unter Taubenfreunden redet man manchmal über seine Rambos – Nahezu jeder Taubenhalter mit viel Tierkontakt kann von solchen speziellen Exemplaren berichten.

Mein persönlicher Rambo ist ein Täuber namens „Enti“, der von den Katzen und dem Hund des Hauses behütet wurde, wie ein wertvoller Schatz. Enti ist eine gezüchtete Haustaube und seine gewöhnlichen Taubenkontakte hatte er stets mit Wildtauben. Diese fanden (und finden ihn bis heute) gänzlich uninteressant, sodass seine Imponier-Tänzchen und Drohungen stets ignoriert wurden.

Es ist nur natürlich, dass diese behüteten Tauben ein völlig übersteigertes Selbstbewusstsein entwickeln – Und Tauben wie Enti lernen natürlich auch den Menschen nur als harmloses Weichei kennen.

Verschiedene Produkte zum Thema Tauben mit dem Motiv "Predator Mode" aus dem "Pigeonlvrs"-Shop auf Etsy. Das Motiv ist eine Taube mit einer Strickmütze mit Katzenohren.
Produkte mit dem „Predator Mode“-Motiv im Online-Shop PIGEONLVRS (Etsy)

Jemand wagt es, den Partner oder die Partnerin von Rambo anzugreifen? Rambo kommt augenblicklich mit Flügelschlägen angerannt oder fliegt mutig auf den Kopf des Nebenbuhlers und greift diesen mit dem Schnabel an. Und ja, picken oder beißen kann ganz schön wehtun.

Man tut nicht das, was Rambo möchte? Auch dann kann er SEHR sauer werden. Verschlossene Türen, langweiliges Futter – manchmal ist seine Zündschnur verdammt kurz.

So niedlich eine wütende Taube auf den ersten Blick auch ist – Auf dem zweiten Blick, gerade in Anwesenheit von z. B. Katzen, kann so ein Verhalten natürlich gefährlich sein. Denn wenn die Katze an der Partnerin oder am Futternapf schnuppert, dann kann es schnell tödlich für die Taube enden. Selbst eine friedliche Katze muss sich früher oder später gegen eine festgebissene Taube wehren.

Aber woher kommt so ein Verhalten?

Jede Taube ist individuell. Es gibt immer wieder Menschen, die die Charaktere von Tauben verallgemeinern, aber so einfach ist das nicht. Tendenziell reicht wahrscheinlich schon eine Veranlagung zu aggressivem Verhalten. Als ranghohes Mitglied im Taubenschwarm muss eine Taube, meistens sind es die Täuber, ebenfalls Stärke und Macht ausstrahlen.

MEINER Erfahrung nach sind davon vor allem Tauben betroffen, die nicht wirklich die Chance hatten, mit anderen Tauben erwachsen zu werden.

Ich sehe das nicht als klare und für den Vogel ungesunde Verhaltensstörung durch Alleinhaltung* an, wie z. B. das Rupfen der eigenen Federn durch Vereinsamung und geistige Verkümmerung.

Der Vogel mutiert ohne die gängigen Kämpfe und Rangeleien eben zu einem verwöhnten Pimpf. Wenn er nicht mit Artgenossen aufwächst, lernt er Gegenwehr im schlimmsten Fall erst kennen, wenn es zu spät ist und ihm eine tödliche Verletzung zugefügt wird.

Mutige Helden

Aggression gegenüber andersartigen Lebewesen ist nicht immer auf einen besonderen Charakter oder ein verwöhntes Aufwachsen ohne Artgenossen zurückzuführen.

Tauben beschützen mutig ihr Nest, ihren Käfig, einfach ihr eigenes kleines und für sie heiliges Plätzchen.

Ich habe zum Beispiel offene Käfige für die Tauben aufgestellt. Ein Käfig (oder eine Zelle, wie Taubenzüchter sagen) wird meist von einem Paar gemeinsam genutzt. Natürlich wollen beide Partner ihre Eier und ihre Küken schützen und schlagen mit den Flügeln oder drohen zu beißen, wenn man mit der Hand näher kommt. Auch außerhalb der Brut wird der Käfig aber meist beschützt und beim Befüllen der Näpfe muss man mit Pickern und Beißern rechnen – Zum Glück haben die kleinen Frechdachse keine Zähne 😉

*Meine Meinung zum Thema Alleinhaltung findet man in Meinem Beitrag haustauben als Wohnungstiere

Das Bild zeigt eine Brieftaube, die auf einem Brett sitzt. Erkennbar ist die Brieftaube an Ringen an ihren Beinen.

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