KI-Nutzung und Kunst – Wie weit darf man gehen?

Eine KI-generierte Familie. Zu perfekt, um wahr zu sein.


Meine Hobbys und Interessen drehten sich schon immer rund um Kreativität. Das Wort „Kunst“ habe ich für meine eigenen Kreationen allerdings lange nicht benutzt. Vielleicht, weil ich mein Können selbst immer als eher mittelmäßig empfunden habe.

Jetzt, in einer Zeit, in der ich tatsächlich Geld mit meiner Kreativität verdiene, sehe ich langsam ein, dass mein eigenes Schaffen eben auch meine „Kunst“ ist. Eine Kunst, auf die ich ein bisschen stolz bin und die ich beschützen möchte.

Wer heute künstlerisch im digitalen Bereich unterwegs ist, kommt am Thema KI kaum noch vorbei.

Kunst und künstliche Intelligenz – auch wenn es buchstäblich ähnlich klingt, ist die KI für viele der Erzfeind der wahren Kunst. Wer nicht Pinsel, Bleistift, Nadel oder Cursor selbst bewegt, ist kein Künstler. Mehr noch: Man stellt sich damit sogar gegen echte Künstler.

Ich verstehe diese Sichtweise. Und wenn ich klare KI-Motive als PoD-Druckdateien auf Etsy sehe, wo es doch eigentlich noch um Kunst und Kreativität gehen soll, dann finde ich das auch scheiße.

Und dann komme ich zurück zu mir selbst.

Ja, ich bin KI-Nutzerin. Ja, ich nutze künstliche Intelligenz auch für mein eigenes Schaffen.

Übertrete ich damit selbst die Grenze? Gehöre ich damit zu denen, die echter Kunst schaden?

Manchmal weiß ich es nicht. Denn diese Grenze ist ziemlich verschwommen.

Von KI zusammengestellte Grafik auf einer Tragetasche, in meinem Shop Pigeonlvrs


Nehmen wir dieses Bild als Beispiel: Diese digitale KI-Kunst wurde ursprünglich aus drei meiner Fotografien erstellt. Ich war die Fotografin, ich war der kreative Kopf – das war es.

Reicht das?

Für mich ist das eines meiner grenzwertigen Motive. Gleichzeitig kann ich mit Bestimmtheit sagen: Meine Kunst wurde dafür benutzt. Die ist da mit drin.

Wichtig ist mir vor allem, ehrlich mit potenziellen Kundinnen und Kunden umzugehen, wenn sie Interesse an meinen Grafiken haben. Ich möchte nicht so tun, als hätte ich etwas vollständig von Hand gezeichnet, wenn es nicht so war.

Aber wo genau fängt KI-Nutzung überhaupt an, problematisch zu werden?

Gibt es inzwischen noch ein Grafikprogramm ohne KI-Tools? Hintergrundentfernung, unzählige Fotofilter, automatische Korrekturen und komplette Rundum-Verbesserungen mit nur einem Klick gehören längst zum Alltag.

Sind KI-Tools legitim, wenn ich sie als Werkzeug in einem renommierten Grafikprogramm benutze, aber plötzlich schlecht, wenn ich ChatGPT oder Gemini für dieselbe Funktion nutze?

Ich finde, dass man KI-Nutzung nicht per se verteufeln kann.

Wenn wir ehrlich sind, steckt manchmal mehr Mühe und Kreativität in einem gut durchdachten Prompt als in einem Gemälde aus sieben Pinselstrichen eines renommierten Künstlers, das nur minimal von seinen vielen anderen Bildern abweicht.

Heißt das, dass der Prompt deshalb automatisch Kunst ist? Nein. Aber genauso wenig sagt der Aufwand allein etwas darüber aus, was Kunst ist und was nicht.

Ich möchte einfach in keine Richtung pauschalisieren.

Für mich kann ich sagen, dass ich noch austeste, wo meine eigenen Grenzen liegen. Und dass ich nach intensiver Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz weniger vorwurfsvoll auf andere Nutzerinnen und Nutzer schaue.

Vielleicht muss ich am Ende auch gar keine allgemeingültige Grenze zwischen KI und Kunst ziehen.

Vielleicht reicht es, meine eigene zu finden.

Das Bild zeigt eine Brieftaube, die auf einem Brett sitzt. Erkennbar ist die Brieftaube an Ringen an ihren Beinen.

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